Dieses Pech wird wohl jeder haben, der in einem nicht gemauerten Haus nahe einem Feld wohnt. Regelmäßig zur kalten Jahreszeit suchen sich Mäuse ein warmes Zuhause und was wäre da besser geeignet als eine Wand oder Zwischendecke ausgefüllt mit Dämmwolle.
Nun, wie viele Mäuse inzwischen am eigenen Leibe erfahren mussten, so ziemlich alles, denn natürlich wird beim rascheln in der Wand wieder mal eine Mausefalle in der Zwischendecke aufgestellt und ein paar Tage später ist dann Ruhe, wenn man nicht grade einen Intelligenzbolzen in der Wand stecken hatte, der den Leckerbissen klaut ohne die Falle auszulösen.
Da ich immer in die unmöglichste Ecke unter dem Dach kriechen muss um zu überprüfen ob sich an der Falle etwas getan hat, dachte ich mir dass das auch bequemer gehen muss.
Die Grundlagen waren da: Eine alte Webcam mit 6 mehr oder weniger weißen LEDs zur Beleuchtung der Falle, ein kleiner Laptop mit Lubuntu sowie der Router in nächster Nähe zur Zugangsklappe.

Ich hoffe es ist verständlich, warum ich da nicht ständig reinkriechen will ;)
Ich hoffe es ist verständlich, warum ich da nicht ständig reinkriechen will 😉

Es musste also nur noch eine Möglichkeit gefunden werden auf die Kamera zuzugreifen und am besten noch per Email benachrichtigt zu werden, sobald sich auf dem Bild etwas verändert. Hierfür fand sich nach kurzer Recherche das Programm motion.
Es ermöglicht nicht nur das Webcam Bild laufend auf Veränderungen zu Überprüfen sondern ist auch noch sehr flexibel, sodass es sich nahezu nahtlos in eigene Anwendungen integrieren lässt.

1. Die Bewegungserkennung
Sie war schnell umgesetzt. Webcam anstecken, motion starten und sobald sich etwas bewegte wurde ein Bild geschossen. Perfekt für meinen Einsatzzweck. So kann ich den Übeltäter auch noch sehen, wenn er sich den Leckerbissen klauen sollte. Schnell noch das Ausgabeverzeichnis in einen Unterordner des Apache Verzeichnisses gelegt und schon lassen sich alle Bilder im Webbrowser abrufen.

2. Der Live Stream
Natürlich sollte auch eine Live Ansicht vorhanden sein. Gesagt getan. Motion bringt bereits einen entsprechenden Stream auf Port 8081 mit, der nur in der Konfigurationsdatei aktiviert werden muss. Anschließend kann er per <img> Tag in eine Webseite eingebunden werden. Die Aktualisierungsrate ist zwar recht gering (einige Male in der Sekunde) aber für meine Zwecke ausreichend. Deshalb habe ich auch nicht versucht die Frequenz zu erhöhen.

3. Die HTTP API
Die ein oder andere Sache wollte ich dann mit dem Webinterface steuern können. So wollte ich z.B. ein Statusfeld einbauen, dass anzeigt, ob eine Webcam angeschlossen ist oder nicht und zum Anderen die Bewegungserkennung auch abschaltbar machen. So kann man das Tracking einfach über den Webbrowser abschalten, wenn man die Falle einsetzt oder herausholt.
Gesagt getan, auf Port 8080 lauscht nach der Aktivierung in der Konfigurationsdatei ein kleiner Webserver, über den sich (fast) alle Einstellungmöglichkeiten verändern lassen. Einziges Problem ist nur, dass der Apache auf Port 80 lauscht und Javascript (jQuery) deshalb nicht auf die API zugreifen kann.
Hier habe ich einen kleinen Workaround gebastelt, der aus einem PHP Script besteht, dass auf dem Apache laüft und die Anfragen an den Port 8080 weiterleitet. Es fungiert dabei praktisch als Proxy. Auf diese Datei kann Javascript problemlos zugreifen.

4. Das Webinterface

Live Bild der Falle und Konfigurationsmöglichkeiten
Live Bild der Falle und Konfigurationsmöglichkeiten im Webinterface

Das Webinterface war schnell mit ein bisschen CSS und einem Hintergrundbild von unsplash.com fertiggestellt. Dazu noch zwei Buttons um das Tracking und die Emailbenachrichtigung aus- und einzuschalten und schon war das Mausleum fast fertig.

5. Die Emailbenachrichtigung
Die wurde noch schnell implementiert, was dank der Anpassbarkeit von motion auch kein Problem war. In der Konfiguration lassen sich Programme eintragen, die bei bestimmten Aktionen wie Bewegung erkannt ausgeführt werden.
Um das Programm einfach zu halten, habe ich hier ein kleines PHP Cli Script geschrieben, dass nach dem Start einige Sekunden wartet und dann eine Email mit dem neuesten Bild im Anhang an mich schickt. Dabei wird noch ein lockfile erstellt, das dafür sorgt, dass bis zur erneuten Aktivierung der Benachrichtigung im Webinterface keine Emails mehr verschickt werden.
Das sollte mir auch einigen Spam ersparen, der entstehen könnte, wenn es zu einer Fehlerkennung kommt.

Die Falle beleuchtet durch die Webcam an ihrem endgültigen Standort
Die Falle beleuchtet durch die Webcam an ihrem endgültigen Standort

6. Einbau und warten
Die Webcam habe noch von ihrem unsprünglichen Fuß gelöst und auf ein Brett geschraubt, auf dem ich die Aufstellfläche für die Falle markiert habe. Damit sollte die Positionierung etwas einfach werden. Jetzt muss nur noch jemand anbeißen.

Wieso Mausoleum?
Ich fand der Name passte einfach und irgendeinen Hostnamen musste ich dem Rechner ja auch geben. Klingt vielleicht ein wenig geschmacklos, kann ich mir aber gut merken.

Verbesserungsmöglichkeit
Ein Raspberry Pi wäre an dieser Stelle sicher energiesparender gewesen aber den hatte ich nunmal grade nicht da. Der Laptop tut es auch, zumal er auch nur läuft, wenn die Falle wirklich bestückt ist.

Der beste Köder
Der Köder ist nicht der Käse. Auf den springt so gut wie keine Maus an, aber Schinken oder Speck sind hier gut geeignet. Er sollte nur nicht zu klein oder Zart sein, damit die Maus ihn nicht einfach klauen kann. Ein Tacker über dem Köder erschwert den Diebstahl zusätzlich

An alle Tierschützer
Ja, Tierschutz ist wichtig aber Mäuse in der Wand müssen wirklich genauso wenig sein wie Hunde aus Spanien. Wenn also Kommentare ankommen sollten, die mir sagen wie schlimm, schlimm, schlimm das doch ist oder vielleicht noch mit ein wenig BRÜLL, BRÜLL, BRÜLL, dann behalte mir vor diese kommentarlos zu löschen.

 

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